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Bilder vom 21. Großen Lampentreffen 03.06. bis 06.06.2021 in Lingerhahn (Hunsrück)

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Merkwürdige Petromax
geschrieben von Mandragora officinales 
Merkwürdige Petromax
09. April 2021 21:12
Hallo zusammen
Ich habe da eine Petromax die ich nicht kenne.
Zuerst habe ich gedacht die hat sich wohl einer selbst so zurechtgeschustert. Aber je intensiver ich sie mir anschaue desto mehr komm ich zu der Meinung daß sie in ihrer Zusammensetzung bis auf das Glas vielleicht doch schon immer so war.
Auf dem Tank steht Petromax Rapid, der Tank hat aber gar kein Loch für einen Rapid.
Außerdem steht auf dem Tank "foreign" und nicht made in Germany.
Der Tank ist aus Messing und hat noch das E im G. Er war wahrscheinlich mit einem hauchdünnen Silber lackiert.
Das Tragegestell ist aus Eisen, mit 2 Aussparungen, zuerst hab ich gedacht die größere Aussparung hat einer selbst reingesägt, aber selbst von diesem ersten Eindruck nehme ich wieder Abstand, schwarz lackiert und der obere Ring grün emailliert, Haube ist grün emailliert.
Das Vergaseroberteil hat als Verstärkungsrippe eine große Flosse und zeigt nach außen.
Nach der Tankritzung habe ich noch nicht geschaut, muß sie erst reinigen.
So eine Petromax habe ich noch nie gesehen. Wer weiß etwas über diese "Foreign Petromax"??

Mit freundlichem Gruß, Reinhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.04.21 21:13.


Re: Merkwürdige Petromax
09. April 2021 21:19
Das ist ja ein interessantes Teil.
Gratulation zu dem fund.
Re: Merkwürdige Petromax
09. April 2021 23:55
Hallo Reinhard,
das sieht mir aus wie etwas Improvisiertes aus Restbeständen. Möglicherweise gleich nach dem Krieg, als die Fertigung wieder einsetzte. Da wurden ja auch die Modelle 2827 in den ehemaligen Graetz-Werken wieder zusammengebaut. Dein Modell erinnert mich an die 2828, aber eben mit einem 2826er Tank. Das Tragegestell scheint jemand nach rechts verdreht aufgesetzt zu haben, so dass dann auch die Bohrung in der Haube zur Einstellung des Mischpaddels nicht passt.
Ich habe hier aber auch noch ein etwas seltsames Modell mit hellgrün emaillierter Haube stehen, welches zuweilen als 1821 bezeichnet wird, dann aber meistens mit hellgrün emailliertem Tragegestell und bronziertem Tank (letztes Bild).
Gruß, Martin

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.04.21 00:03.


Re: Merkwürdige Petromax
10. April 2021 09:48
Hallo Reinhard, Hallo Martin,

die Bezeichnung 'FOREIGN' wurde im Jahre 1938 für Deutsche Waren nach England eingeführt.


Einen weiteren prominenten Vertreter dieser Art findet ihr hier:
[classicpressurelamps.com]

Diese Hasag Laterne wurde im Jahr 1938 auf dem Englischen Markt eingeführt.

Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Engländer weiter dieser Bezeichnung beharrten,
als nach 1945 Waren als Reparationen nach England verschickten.

Grüße
Jörg
Re: Merkwürdige Petromax
10. April 2021 16:09
Hallo zusammen,

Nun habe ich die Petromax zerlegt. Jetzt kann man sehen daß es sich um den Sickentank einer Petromax 828/829 mit Drehrapid handelt. Das Loch für den Rapid wurde einfach zugelötet. Es war eine dicke Dreckschicht angereichert mit Spinnenskeletten drauf, deshalb hatte ich es nicht gesehen. Im Tank war das runde Messingplättchen drin welches ich auf den Tank gelegt habe. Ich habe es nur mit allergrößter Mühe aus dem Tankeinfüllstutzen bekommen. Wahrscheinlich wird der Tank überall an den alten Reperaturstellen undicht sein, aber ich werde die Petromax retten und wieder in Betrieb nehmen.

@Martin
Ja Improvisation ist sicherlich das höchst zutreffende Wort bei dieser Petromax. Wie du schon geschrieben hast handelt es sich bei dem Tragegestell um das einer Petromax 2828.Einer der vier Holme ist magnetisch. Der obere Ring ist emailliert. Ich denke schon bei der Herstellung des Tragegestells wurde wohl schon auf Teile zurückgegriffen die eben noch da waren. Man hat einen Vergaser ohne Vergaserfußventil verwendet. Also gehörte der Vergaser eigentlich nicht zum Tank denn diese Art von Tanks wurden ausschließlich für die Petromax 828 und 829 mit Drehrapid verwendet und diese hatten ja schon Vergaserfußventile.Die Petromax kam aus Berlin zu mir. War wohl eine sehr bodenständige Petromax.

@Jörg
Vielen Dank für die gesicherte Aufklärung um die Verwendung und Bedeutung des englischen Wortes "FOREIGN" auf dem Petromaxtank.
Aus Respekt und Anerkennung eurer Mitarbeit werde ich diese Petromax wieder in einen technisch einwandfreien Zustand versetzen und aufheben auch wenn es in den Augen mancher Leute als nicht sinnvoll erscheint.

@Willi
Vielen Dank. Diese nette Art von Forenkultur ist im englischen Forum üblich, nicht wahr.
Beim Zerlegen habe ich einen Fehler gemacht. Die Exzenterwelle saß im Exzenternippel bombenfest. Da hab ich es wie üblich mit dem Gasbrenner etwas erhitzt. Und aufeinmal ist der Exzenternippel halb weggeschmolzen. Ich hatte nicht daran gedacht daß er aus Zink sein könnte. Gewußt hatte ich schon daß bei diesen Petromax der 40er solche Teile manchmal aus Eisen oder Leichtmetall sind, aber halt einen kurzen Moment ohne Hirn gearbeitet. Ich werde jetzt halt einen Exzenternippel aus Messing einbauen. An der Lampe ist eh nichts original.

Mit freundlichem Gruß, Reinhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.04.21 16:11.


Re: Merkwürdige Petromax
10. April 2021 17:25
Hallo Reinhard,

Du schreibst, dass die Lampe aus Berlin stammen würde. Dann könnte sie ja mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
sogar erst nach dem Krieg im Werk des VEB Graetz AG gefertigt worden sein. Die hatten ja die Nr. 2827 im Programm.

Grüße
Jörg
Re: Merkwürdige Petromax
11. April 2021 04:56
@Jörg
das war mein erster Gedanke, als ich diese Lampe gesehen habe. Auch der Ausschnitt im Tragegestell für den Rapid ist mit Sicherheit nicht einfach nur gesägt, sondern irgendwie gestanzt, was auf einen gewissen Maschinenpark schließen lässt. Auch wenn da sicher viel Handarbeit drinsteckt. Auch die Verwendung verschiedener Streben scheint mir ein Indiz für "Mangelwirtschaft" zu sein.
@Reinhard
Das Teil ist sehr wahrscheinlich so original, also versuche bitte so viel wie möglich davon im Urzustand zu erhalten. Das Teil ist sicher ein Zeugnis seiner Zeit, auch wenn die Diskussion "Vorkrieg/Nachkrieg" und der Erhaltungszustand manchmal im Vordergrund zu stehen scheint.
Gruß, Martin

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Re: Merkwürdige Petromax
11. April 2021 14:17
Hallo zusammen,

Ich möchte ja das Wort "wahrscheinlich" nicht überstrapazieren, aber höchstwahrscheinlich ist das eine der ersten Nachkriegspetromax aus Deutschland.Sie besteht aber durchweg aus Teilen die schon vor oder während des Zweiten Weltkriegs gefertigt wurden.
Tank ist für eine Petromax 828 oder 829 mit Drehrapid und war für den englischen Markt bestimmt (FOREIGN)
Tragegestell ist für eine Petromax 2828.
Haube grün emailliert sind für 2828 oder 2826.
Füllschraube,Leichtmetall von 2826 ,2821 oder 2827
Vergaser Petromax gemarkt mit extremer Versteifungsrippe für 829 oder 523.
Düse 300 HK für 826 und 2826
Innenmantel mit zentraler Mischrohrbefestigung passt auf die meisten oder sogar auf alle alten 300/500 HK Petromax.
Der Tragehenkel ist kürzer als wie bei zeitgenössischen Petromax,er könnte für ein älteres Modell bestimmt gewesen sein .

All diese Teile wurden wahrscheinlich aus übrig gebliebenen Lagerbeständen zu einer Lampe zusammengebastelt von kleinen Leuten die froh waren Arbeit und Brot gefunden zu haben als die deutsche Hauptstadt noch in Trümmern lag.So bescheiden ging es los.

Mit freundlichem Gruß, Reinhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.04.21 14:26.
Re: Merkwürdige Petromax
11. April 2021 16:59
Hallo Reinhard,

auch von mir Glückwunsch zu dieser Laterne!
Das ist ein tolles Stück Zeitgeschichte!

Grüße - Steven
Re: Merkwürdige Petromax
11. April 2021 21:07
Danke Steven.

Weißt du wenn man so eine Lampe gekauft hat dann schwankt man innerlich recht stark hin und her zwischen "interessante Lampe gekauft" und "Schrott gekauft "
Aber wenn man merkt daß einem die erfahrendsten Leute bei der Identifizierung weiterhelfen und sich auch andere für das Stück Zeitgeschichte interessieren dann spürt man daß es schon okay war die Lampe zu kaufen und man gibt sich noch mehr Mühe.
Ich habe mir die letzten 2 oder 3 Jahre schon öfters versucht vorzustellen wie denn die ersten Nachkriegslampen der Marke Petromax aus Berlin ausgesehen haben mögen.Nun sieht man eine ganz real,es ist ernüchternd aber was hat man erwarten können,gleich nach Kriegsende ?

Mit freundlichem Gruß
Reinhard
Re: Merkwürdige Petromax
11. April 2021 21:40
Hauptsache sie leuchtet! Alles andere muss so ziemlich egal gewesen sein (wenn man das Problem mit der Brennstoffbeschaffung gelöst hatte).
Gruß, Martin

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Re: Merkwürdige Petromax
17. April 2021 15:50
Hallo zusammen,
Das Thema ist noch nicht beendet. Wollte gerade den langen Beitrag senden und plötzlich war beim hochladen des zweiten Bildes alles weg. Nun schick ich nur die Bilder. Macht euch mal Gedanken.

Grüße, Reinhard


Re: Merkwürdige Petromax
18. April 2021 14:11
Nun?
Die Gewindebuchse für den Vergaser wurde sicherlich nachträglich eingelötet. Sie ist oben flach und hat keine Umrandung für den perfekten Sitz der Dichtung 90.Und sie wurde am Rapidloch eingelötet. So mußte der Vergaser in die Bohrung des Rapidlochs eingeschraubt werden. Nun passte aber das Tragegestell einer 2828 nicht mehr sauber auf den Sickentank. Deshalb hat es der unbekannte Monteur einfach ein Stück weit verdreht, so daß die große Aussparung des Tragegestells zum Vergaseranschluß zeigt. Das hatte aber zur Folge daß der Innenmantel nicht mehr auf's Tragegestell passte, weshalb er zwei zusätzliche Aussparungen in den Innenmantel sägen musste.

Mir gefiel das alles nicht so recht. Deshalb habe ich das Tragegestell wieder in seine ursprüngliche Position gebracht. Passt zwar unten nicht mehr so sauber auf den Tank, dafür harmonieren jetzt die Positionen von Tragegestell, Innenmantel und Tragehenkel wieder so zueinander wie es sein soll. Die beiden zusätzlichen Aussparungen im Innenmantel hab ich erstmal mit Aluminium Folie zugestopft damit die heißen Abgase nicht mehr vom Mischrohr eingezogen werden können. Jetzt leuchtet sie wieder weiß und vor allem stinkt sie nicht mehr.

Zum historischen ein paar Worte.
Warum ich glaube daß Martin und Jörg recht haben mit ihrer These daß es sich bei diesem Stück um eine der ersten Nachkriegspetromax aus Berlin handelt ist vor allem der Tank. Es handelt sich ja um einen für England bestimmten Tank. Er wurde zurückgehalten, sei es weil er noch nicht komplett war, oder was wahrscheinlicher ist weil der zweite Weltkrieg dazwischen kam. Und so hob man den mit FOREIGN gemarkten Tank halt erstmal auf und dachte das Stück könne man ja später, nachdem sich die Beziehungen wieder normalisiert haben wieder nach England verkaufen. Und so stand der Tank 1945 vermutlich immernoch in irgendeinem Regal und wurde dann für diese Petromax bestehend aus Resteteilen und viel Improvisation verwendet.

Der Tank hat keine eingekratzten Ritzungen an der Unterseite, was meine Vermutung bestärkt daß diese Ritzungen( nicht die eingestanzten Nummern ab 1961) immer erst dann gemacht wurden wenn die kompletten Petromax fertig montiert waren.

Mit freundlichem Gruß, Reinhard



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.04.21 14:27.


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